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Bericht über die 30. ISPA-Konferenz vom 8. - 13.7.2008 in Utrecht

Schulpsychologie in einer sich ändernden Gesellschaft

Unter diesem Motto fand vom 08.07. bis 13.07.2008 in Utrecht die 30. Konferenz der Internationalen Schulpsychologenvereinigung ISPA statt. Das sich noch schneller als die Gesellschaft ständig ändernde Wetter beeinträchtigte die Stimmung der 350 Teilnehmer/innen aus 41 Ländern keineswegs, da das Programm wie gewohnt für jeden etwas zu bieten hatte.
Schon im Eröffnungsvortrag wurde darauf hingewiesen, dass die Schule bei den gesellschaftlichen Veränderungsprozessen eine wichtige Rolle spielt. Als Experten für Wandel und Dauer im menschlichen Verhalten  können  Schulpsycholog/innen Begleiter und Unterstützer von Schülern, Eltern und Lehrkräften bei der Bewältigung der damit verbundenen Aufgaben sein.
In den Hauptvorträgen wurde dieser Grundgedanke aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet. Zu den beiden Themen  Sozial-Emotionale Entwicklung und Aufbau von Resilienz sowie Multikulturelle Erziehung im Klassenzimmer erhielten die Zuhörer außer fundierten Forschungsergebnissen auch praktische Anregungen. Bei der Frage nach  Beziehungserfahrungen im Klassenzimmer wurde klar, dass hier bisher erstaunlich wenig geforscht wurde und sich noch kaum Folgerungen daraus ableiten lassen. Im Abschlussvortrag stellte Frau Grigorenko  drei Studien vor, die die Auswirkungen der seit 1990 erfolgten rapiden Veränderungen in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion auf Kinder und Jugendliche dokumentieren.

Aus der Fülle der Referate und Workshops können nur  einige  Themen beispielhaft erwähnt werden. Wie auf früheren Kongressen gehörten Soziales Lernen, Krisenmanagement und Gewaltprävention zu den gefragten Bereichen. Zur Frage der psychischen Gesundheit und der Bewältigungsstrategien von Schülern und Lehrern wurden mehrere Ansätze vorgestellt. Stärker als früher rückte die Aufgabe der Schulpsychologie in der Prävention und damit verbunden die veränderte Rolle des Schulpsychologen als Organisator und Leiter von Prozessen ins Blickfeld.  Die niederländischen Kollegen gewährten vielfältige Einblicke in ihre praktische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen. Das Spektrum reichte hier von Kindern mit Hochbegabung  über Problemen von Familien  mit Migrationshintergrund bis zu besonderen Lernschwierigkeiten an religiösen Privatschulen und zu Programmen für Schulverweigerer.

Wie gewohnt war neben dem offiziellen Programm  der kollegiale Austausch in den organisierten Interaktionsgruppen, während der Pausen und beim gemeinsamen Essen sehr informativ und gewinnbringend. Der besondere ISPA-Geist zeigte sich auch darin, dass beim Ausfall mancher geplanter Referate die Anwesenden spontane Gruppenarbeit zu diesen Themen organisierten. Für die alltägliche Arbeit sind solche Vernetzungen und Querverbindungen besonders hilfreich.

Für den Stellenwert der Schulpsychologie in Europa sind zwei Entwicklungen bedeutsam. Zum einen zeigte es sich, dass das Europäische Trainingscenter (Ltg. Bernhard Meissner) sich gut etabliert hat und die gut nachgefragten Kurse zum Krisenmanagement  die Position der Schulpsychologie in verschiedenen Ländern sehr gestärkt haben. Zum anderen konnte geklärt werden, dass die europäischen Schulpsychologen als Personen sich in der Interessengruppe der ISPA und als Verbände im Network of European Psychologists in the Educational System (NEPES) unter dem Dach der EFPA gut vertreten fühlen. Gemeinsame Sitzungen trugen dazu bei, Strategien für die Zukunft zu entwickeln, die für die einzelnen  Mitglieder Gewinn versprechen, aber auch öffentlichkeitswirksam sind und politische Entscheidungen mit beeinflussen können.
 Die europäische Zusammenarbeit wird sicher bei der nächsten ISPA-Konferenz vertieft werden. Sie findet unter dem Motto School Psychology for Diversity vom 07. bis 11. Juli in einem Tagungshotel auf der Insel  Malta statt. Nähere Informationen finden Interessierte  über entsprechende links auf der Homepage der Sektion Schulpsychologie.

Hermann Brezing
Konstanz